Ben Nevis

Der höchste Berg Großbritanniens & Schottlands

Schottland mit Hund

Hunde nach Schottland mitnehmen

Immer wieder haben wir in der Vergangenheit Fragen von Lesern erhalten, die mit ihrem Hund auf den Ben Nevis wandern möchten. Häufig mündeten diese Nachrichten in allgemeinen Fragen zum Thema „Schottland-Reise mit Hund“.

Daher haben wir eine Expertin zu diesem Thema interviewt – Sonja Thiede.

Seit 2010 reist Sonja Thiede mit ihren Hunden nach Schottland.

Im Jahr 2017 gründete sie Paws on Board, Schottland mit Hund. Seither sind sie und ihr Team als spezialisierter Reiseveranstalter für Individualreisen nach Schottland mit Hund am deutschen, österreichischen und schweizer Markt vertreten.

Viel Spaß beim Lesen des Interviews!




1. Ich möchte mit meinem Hund nach Schottland. Welche Einreisemöglichkeiten gibt es? Welche empfehlen Sie?

Generell empfehle ich meinen Kunden eine der Fährverbindungen oder die Anreise auf die Insel durch den Eurotunnel.

Fliegen mit Hund geht nur bedingt und gerade kleine Hunde, die zwar aufgrund ihrer Größe in die Kabine des Flugzeugs dürften, dürfen es auf der Strecke nach Großbritannien nicht.

Die Auswahl der richtigen Fährverbindung hängt davon ab, wie seefest die Menschen sind und wie sensibel der Hund auf Geräusche und ggf. Alleinsein reagiert und natürlich auch vom Budget.

2. Welche Einreisebedingungen gilt es zu beachten?

Die zur Zeit aktuellen Einreisebestimmungen umfassen 5 Schritte, grob zusammengefasst:

  1. Mikrochip-Kennzeichnung
  2. Tollwut-Impfung
  3. Gültiges Reisedokument besorgen
  4. Bandwürmer-Behandlung
  5. Beförderung auf zugelassener Route durch zugelassenes Verkehrsunternehmen

Die Bestimmungen kann man sich detailliert hier durchlesen.

Diese Regelungen können sich zum 29.3.2019 – je nach dem wie die Brexit Saga ausgeht – ändern. Sollte es dazu kommen, stelle ich gerne ein Update zur Verfügung.

3. Welche Unterkünfte empfehlen Sie mit Hund?

Auch hier hängt es vom Hund ab. Wenn der Hund zu territorialem Verhalten neigt oder nicht alleine bleiben kann, ist ein B&B oder Hotel keine gute Option, da die Hunde nur selten in den Frühstücksraum dürfen aus Rücksichtnahme der anderen Gäste.

Ein Cottage hat den Vorteil, dass oft ein schöner Garten dabei ist, wo der Hund frei toben darf. Der Nachteil hierbei ist, dass man nicht so viel vom Land sieht, wie bei einer Rundreise, da durch die wochenweise Buchung der Cottages man mindestens eine Woche an einen Ort gebunden ist. Vorteil wiederum: danach kennen Sie die Gegend besonders gut.

Letztlich ist es Geschmacksache, was einem eher liegt. Doch auch hierzu beraten wir gerne.

4. Kann ich meinen Hund in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen? Empfehlen Sie besser ein Mietauto?

Bahn und Bus (mit Ausnahme mancher Fernbuslinien) sind Hunde überall gern gesehen.

Bei einem Mietwagen, der selten gebraucht wird, denn die meisten reisen mit dem eigenen Auto an, sollte man bei der Vermietung genau nachfragen, ob diese Hunde in den Autos gestatten.

Wie auch bei uns gilt, der Hund muss im Auto gesichert werden. Ob durch eine Transportbox oder durch das Anschnallen auf der Rückbank ist dabei unerheblich.

5. Kann ich meinen Hund auf Fährfahrten im Schottischen Inland mitnehmen?

Auch hier ein klares Ja.

Es gibt zwei Fährgesellschaften im Inland. Mit die bekannteste ist die Caledonian MacBrayne, die ausschließlich den Westen befährt. Hier sind Hunde sehr gerne gesehen und dürfen auch an Bord der Fähre in einem für Hundebesitzer vorgesehenen Bereich die Überfahrt genießen. Wenn das Wetter sonnig ist, kann es sich der Hund mit seinen Menschen auch draußen bequem machen – und das Beste: Hunde fahren kostenfrei mit.

Die Fährgesellschaft, die die nördlichen Inseln, wie Orkney und Shetland anfahren, sind etwas strenger mit der Unterbringung der Hunde: hier bleibt Ihr vier-beiniger Freund im Kennel oder Auto.

6. Ist es problematisch, mit Hunden in ein Restaurant in Schottland zu gehen?

Es ist nicht wie bei uns, dass der Hund in fast jedes Restaurant mit darf. Generell gilt: nein. Doch die Ausnahmen bestätigen die Regel.

Oft wird ein Kompromiss angeboten: der Barbereich. Hier erhalten Sie das gleiche Essen wie im Restaurant nur eben ohne nette Tischdecke und oft an hohen Bartischen / Stühlen oder etwas Lounge-artiger auf Höhe der Hundenasen. Doch wer abends nicht ohne seinen Hund sein möchte, wird diesen Kompromiss gerne eingehen.

Wenn das Wetter schön ist, bieten viele Restaurants oder Cafés an, dass Sie mit dem Hund draußen sitzen dürfen.

7. Welche Orte in Schottland haben Sie als besonders Hunde-geeignet empfunden?

Generell würde ich die Städte in der Hochsaison nicht empfehlen. Gerade Edinburgh hat im August die Festival-Saison und da haben es schon Mensch schwer sich den Weg zu den Attraktionen zu bahnen.

Glasgow hingegen hat eine aufsteigende Hundeszene. Man übertrifft sich hier fast mit besonderen Ideen, die den Hund einschließen. z,B. gibt es eine Bar, die sogar Geburtstage für Vierbeiner ausrichten. Leicht exzentrisch, aber es kommt gut an.

Die Isle of Arran, im Westen Schottlands wird auch die „doggy island“ – die Hundeinsel genannt, denn hier heißt es in vielen Cafes, Bars und Hotels sowie Geschäften: Hunde willkommen, Menschen geduldet.

8. Wo finde ich Wanderwege in Schottland, die für meinen Hund geeignet sind?

Auch hier kommt es wieder auf den Hund an.

Die meisten Wanderwege – so meine Erfahrung – sind gut ausgeschildert und leicht bis mittelschwer vom Terrain her.

Meine Hunde sind klein und wir haben gerade eine Generationsgabel die weit auseinander geht. Somit versuche ich Wege zu finden, die für meine Jungs – jung und alt – gleichermaßen geeignet sind. Es gibt die Seite www.walkinghighlands.co.uk die fast alle Wanderwege listet und auch auf dem neusten Stand hält. Von den einzelnen Etappen sind oft Bilder vorhanden und man kann sich einen Eindruck vom Weg verschaffen. Wenn ich den für meine Hunde als „machbar“ erachte, wandern wir ihn. Bisher war das immer ok. Für meine Kunden jedoch, biete ich spezielle Wanderführer und Infomaterial für die jeweilige Region an.

9. Haben Sie eigene Wanderwege-Empfehlungen mit Hund?

Ich habe einen neuen Favoriten – sagen wir es so. Der Weg zu den Bone Caves in Assynt hat mich sehr beeindruckt. Dazu gibt es auch einen Bericht mit Fotos auf meiner Webseite im Hunde-Reiseblog.

Der Weg ist ca. 4 km lang und sehr abwechslungsreich und absolut einsam. Ziel sind die Bone Caves „Knochenhöhlen“ auf ca. 160 m Höhe. Nicht viel, aber der Aufstieg ist sehr steil und man hat nur einen sehr schmalen Pfad (einen Hund breit). Abgeschiedenheit und keine Schafe… da können die Hunde frei laufen.

10. Welche Ausrüstung empfehlen Sie fürs Wandern mit Hund in Schottland?

  • Wasser und Napf (oder als Kombination),
  • Leine (hin und wieder kann es streckenweise aufgrund von Schafen nötig sein, den Hund anzuleinen),
  • Handtuch für den gelegentlichen Regenschauer,
  • Leckerchen,
  • Erste Hilfe Set oder noch besser, unsere Hunde Reiseapotheke, die zur Wundversorgung viel mehr als nur Verbandsmaterial enthält, zudem klein und kompakt ist.

Für meinen Senior im Rudel habe ich noch einen separaten Rucksack in dem ich ihn tragen kann, falls er mal nicht mehr kann. Doch das ist sicherlich nur ein Feature für die kleinen Hunde. Doch gerade er, hat auf der zuvor genannten Wanderung richtig gut durchgehalten. Fotokamera nicht vergessen. Für den Menschen empfehle ich

  • wasser- und windfeste Kleidung,
  • stabile Wanderschuhe,
  • Rucksack,
  • Wasser und eine Kleinigkeit zu essen,
  • Wanderkarte oder Führer,
  • Kompass oder GPS-Gerät (bei Bedarf),
  • Taschenlampe und Kottüten, um hinter seinem Vierbeinigen Freund aufzuräumen.

Vielen Dank für das Interview.